Zwergkaninchen aus Hesedorf
Jennifers Liebhaberzucht in Hesedorf / Barchel bei Bremervörde

RHDV-2-Kaninchenseuche

RHDV-2: Kaninchenseuche deutschlandweit verbreitet

RHD: Oft fehlen die typischen Blutungen aus der Nase. Doch im Inneren findet man sie ...RHD: OFT FEHLEN DIE TYPISCHEN BLUTUNGEN AUS DER NASE. DOCH IM INNEREN FINDET MAN SIE ... (FOTO: ©MONTAGE WISITIA/HENRIK HOFMANN)
 

Eine zentrale Erfassung der RHD-Verbreitung gibt es nicht mehr, seit die Meldepflicht erloschen ist. Doch klar ist: Die Kaninchen-Krankheit breitet sich rasant aus. Besonders die Variante RHDV-2 macht den Tierhaltern Sorgen, da bestehende Impfungen nur begrenzt schützen – ein Update.

von Henrik Hofmann

„30 Wildkaninchen plötzlich tot auf der Wiese gefunden“ – „Innerhalb der letzten Tage viele Jung- und Alttiere im Bestand ohne vorherige Symptome verstorben“ – so, oder so ähnlich lauteten viele Vorberichte zu Kaninchen, die mit der Bitte um Abklärung der Todesursache beim CVUA Karlsruhe und anderen Einrichtungen abgegeben wurden.

Befundbericht zu einem aktuellen RHD-Fall

BEFUNDBERICHT ZU EINEM AKTUELLEN RHD-FALL

„Vor allem bei den Haus- und Zuchtkaninchen standen die Besitzer vor einem Rätsel, als ihnen ihre vollständig und regelmäßig geimpften Tiere plötzlich und ohne große erkennbare Symptomatik unter den Händen verstarben“, berichten die Kollegen. Nur in einem einzelnen Fall seien die (der Krankheit namensgebenden) Blutungen aus der Nase beobachtet worden.

FLI-bestätigt deutschlandweite Ausbreitung

Inzwischen hat das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) die bundesweite Ausbreitung der RHD-2-Variante bestätigt. Die derzeit in Deutschland zugelassenen Impfstoffe schützten zwar effizient gegen RHDV, aber nur bedingt gegen RHDV-2, schreibt das FLI. Um einen maximalen Impfschutz zu erhalten, solle man unbedingt den aktuellen Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet)folgen (siehe unten – Details zur Impfempfehlung und zur Ausbreitung auch in bisherigen Berichten auf wir-sind-tierarzt.de)

Interaktive Karten zeigen Ausbreitung nur „ansatzweise“

Karte mit RHDV-2 Ausbrüchen.

KARTE MIT RHDV-2 AUSBRÜCHEN. (KARTE: ©FRIEDRICH-LOEFFLER-INSTITUT)

Das FLI hat Karten mit Markierungen registrierter RHDV-2-Ausbrüche veröffentlicht. Doch die spiegeln die tatsächliche Ausbreitung nur ansatzweise wider, denn es sind nur die am FLI diagnostizierten Fälle dargestellt. Aus einigen Bundesländern / von bestimmten Untersuchungseinrichtungen werden regelmäßig Proben eingeschickt; andere Regionen sind eher unterrepräsentiert. Eine zentrale Erfassung der RHDV-Befunde gibt es seit Erlöschen der Meldepflicht nicht mehr.

Daneben haben Kaninchenschützer Listenund interaktive Karten erstellt, die einen Überblick über gemeldete RHD-Fälle geben. Die Qualität dieser Daten kann die Redaktion nicht bewerten – das wahre Ausmaß der Seuchenausbreitung dürfte aber auch hier wahrscheinlich eher größer sein als dargestellt.

Unbedingt impfen

Es gibt in Frankreich und Spanien erste Impfstoffe mit einer vorläufigen Marktzulassung gegen die neue Variante. Diese Impfstoffe induzieren Antikörper, die auf beide Varianten, aber stärker auf RHDV-2 als auf das klassische RHDV reagieren. Ob diese Kreuzreaktivität ausreicht, um Schutz auch gegen die klassischen RHDV-Stämme zu vermitteln, ist momentan nicht bekannt. Beim Import dieser Impfstoffe muss unbedingt auf die geltenden gesetzlichen Regelungen geachtet werden!
Die in Deutschland zugelassenen Impfstoffe schützen zwar effizient gegen RHDV aber nur bedingt gegenRHDV-2.
Bitter ist, dass die zugelassenen Impfstoffe momentan zumindest teilweise ausverkauft sind.

Aktuelles Impfschema für RHDV-2

Um einen maximalen Impfschutz zu erreichen, hat die StIKo Vet neue Impfempfehlungen herausgegeben, die von der bisher bestehenden Impfleitlinie für Kleintiere abweichen. Es gilt folgendes neues Impfschema:

  • Kaninchen zum frühestmöglichen Zeitpunkt (siehe Herstellerangaben) durch eine zweimalige Applikation eines der beiden monovalenten Vollantigenimpfstoffe Cunivak RHD oder RIKA-VACC RHD im Abstand von drei Wochen grundimmunisieren und
  • die Tiere anschließend alle sechs Monate revakzinieren.

Zusätzlich zur Impfung sind Maßnahmen des allgemeinen Infektionsschutzes unerlässlich, besonders Hygiene hilft, den einen Eintrag des Virus in die Bestände unterbinden.