Zwergkaninchen aus Hesedorf
Jennifers Liebhaberzucht in Hesedorf / Barchel bei Bremervörde

Kastration

 



Warum sollten Rammler kastriert werden?

 

Männliche Kaninchen werden in erster Linie kastriert, damit sie keinen Nachwuchs zeugen können.

Denn nur so können sie in Gefangenschaft tiergerecht zusammen mit anderen Kaninchen gehalten werden.

Es ist nicht möglich, einen unkastrierten Rammler zu einem männlichen Kaninchen zu setzen (egal

ob der zweite kastriert ist oder nicht), da dieser Zustand zu Kämpfen führen kann, in denen sich

beide Kaninchen schwer verletzen oder gar töten können. Die Kosten nach den Verletzungen

können die Kosten der Kastration schnell um ein Vielfaches übersteigen. Und auch wenn zwei

Rammler sich gut vertragen, kann man sich nicht darauf verlassen, dass es immer so bleibt. Die

Stimmung kann von einer Stunde auf die nächste kippen und sogar zwischen Rammlern, die schon

jahrelang friedlich zusammenleben, kann es zu tödlichen Verletzungen kommen.

Ebenso wenig ist es möglich, ein nicht kastriertes Männchen zu einem kastrierten Weibchen zu

setzen. Denn anders als in der freien Natur können sich Kaninchen in einem Gehege, und sei es

noch so groß, nur unzureichend aus dem Weg gehen. Das Weibchen würde unter Umständen

übermäßig häufig umworben und berammelt werden, was wiederum zu viel Stress für alle

Beteiligten führt. Auch kommt es in solchen Beziehungen häufig zu Streitereien, da Weibchen auch

mal aggressiv reagieren, wenn sie nicht ständig belästigt werden möchten. Für sehr alte Kaninchen,

die der Tierarzt aus medizinischen Gründen nicht mehr kastrieren möchte, kann diese Kombination

jedoch auch eine gute Möglichkeit sein um einem alten Herrn zu Gesellschaft zu verhelfen.

Als angenehmer Nebeneffekt ist das Zusammenleben mit einem Kastraten auch für den Halter

angenehmer. Unkastrierte Rammler markieren gerne ihr Revier, indem sie ihren Urin verspritzen.

Dieser Markierungsurin riecht sehr unangenehm und ist kaum aus Möbeln oder von der Tapete zu

entfernen.

Fazit: Männliche Hauskaninchen sollten immer kastriert werden. Bei der Kastration handelt es sich

um eine unkomplizierte Routineoperation, die nicht allzu teuer ist (ca. 30 - 60 €) und dem

Kaninchen und seinem Besitzer viele unschöne Situationen erspart.

Vorsicht:

Eine Kastration verhindert nur die Neuproduktion von Spermien. Bereits produzierte

Samenzellen bleiben erhalten und führen dazu, dass manche Rammler nach der

Kastration noch einige Zeit zeugungsfähig bleiben. Spätestens sechs Wochen nach der

Operation (der Zeitraum wird oft "Kastrations-Quarantäne" genannt) kann nichts mehr

passieren und der Kastrat kann mit Weibchen vergesellschaftet werden.

Wird der frisch kastrierte Rammler nur mit kastrierten Weibchen und Männchen vergesellschaftet,

empfiehlt es sich, etwa 1-2 Wochen abzuwarten, da in der Zeit auch der Spiegel an männlichen

Geschlechtshormonen sinkt.

Ich halte zwei Rammler. Muss ich beide ich kastrieren lassen?

Ja, unbedingt. Unkastrierte Rammler zusammen zu halten ist riskant, es passiert leider nicht selten,

dass sie sich lange Zeit gut verstehen und sie urplötzlich von einem Tag zum anderen "durchdrehen"

und sich gegenseitig ohne ersichtlichen Grund attackieren. Diese Kämpfe können schwere

Verletzungen mit sich bringen und sogar mit dem Tod eines Tieres enden. Wird nur ein Tier

kastriert, kann es dennoch zu Kämpfen kommen, zudem besteht dann Gefahr, dass der unkastrierte

Rammler den Kastraten terrorisiert. Da man früher oder später sowieso kastrieren muss, lohnt es

sich, die Kastration so früh wie möglich anzusetzen, denn verpasst man den optimalen Zeitpunkt

und zerstreiten sich die Rammler erst einmal, so ist die Gefahr groß, dass sie sich auch nach der

Kastration nicht wieder versöhnen.

Frühkastration

Was ist eine Frühkastration?

Unter einer Frühkastration versteht man eine Kastration der jungen Männchen vor Eintritt der

Geschlechtsreife. Bei Zwergkaninchen wird die Frühkastration zwischen der 8.-12. Lebenswoche

vorgenommen, auf jeden Fall aber vor der Geschlechtsreife. Nicht alle Tierärzte führen diese Art der

Kastration durch und man muss oft ein wenig suchen, bis man einen findet, der Erfahrung damit

hat.

Diese Art der Kastration hat gegenüber der "normalen" Vor- und Nachteile.

- Frühkastraten benehmen sich oft weniger geschlechtsspezifisch als spät kastrierte Rammler, da sie

nie Verhaltensweisen erlernten, die geschlechtshormongesteuert sind. Sie verstehen weniger, was

ein hitziges Weibchen von ihnen will, was schon mal dazu führt, dass das Weibchen frustriert

reagiert und ihren Partner anzickt. Aus dem gleichen Grund sind Frühkastraten auch

bockverträglicher. Ein "Platzrammlerverhalten" ist ihnen fremd, Kaninchengruppen aus lauter

Frühkastraten und maximal einem Spätkastrat sind in der Regel sehr harmonisch.

- Da nie Samenzellen produziert wurden entfällt für frühkastrierte Rammler die

Kastrationsquarantäne, sie können schon kurz nach dem Eingriff wieder zu Mutter und

Geschwistern, es ist kein weiteres Gehege nötig und die Sozialisierung wird so nicht unterbrochen.

- Die Frühkastration ist aufwändiger und erfordert einen kleinen Bauchschnitt, da die Hoden zum

Zeitpunkt der Frühkastration noch nicht abgestiegen sind. Dadurch ist das Risiko von Komplikationen

höher (aber immer noch klein). Zudem haben junge Kaninchen noch wenig Reserven und ein noch

nicht vollständig ausgereiftes Immunsystem, so dass Komplikationen schneller schwerwiegend

werden. Die Gefahr ist jedoch mehr eine theoretische, in der Praxis sind auch Frühkastrationen

einfache und sichere Operationen, nach denen die Kaninchen schnell wieder fit sind.

Gerüchte, dass Frühkastraten Probleme mit Wachstum und Entwicklung hätten, können nicht

bestätigt werden.

 

 

Weibchenkastration

Warum soll ich mein Weibchen kastrieren lassen? Kastration oder Sterilisation?

Die Kastration von weiblichen Kaninchen (Häsinnen) ist bei weitem schwieriger als bei einem

Männchen, da ein Bauchschnitt vorgenommen werden muss. Trotz dessen übersteht die Häsin die

Operation bei einem kompetenten Tierarzt, der sich gut mit Kaninchen auskennt, in den meisten

Fällen sehr gut.

Der Tierarzt sollte den Ablauf der Kastration sowie die Risiken schildern und die Haltung des

Kaninchens nach der Kastration. Vor der Operation legt man sich folgende Utensilien zurecht:

Rotlichtlampe/Wärmeflasche/Snuggle-Safe oder Heizdecke als Wärmespender

ein einstreufreies, mit Handtüchern ausgelegtes Krankengehege in einem Innenraum (bei

Innenkaninchen kann dies auch das gewohnte Gehege sein)

die Lieblingskräuter und das Lieblingsfutter (blättrige grüne Sachen wie Löwenzahn, Basilikum, Dill

werden nach Operationen besonders gerne genommen)

Utensilien für eine Zwangsernährung, Spritze + das gewohnte Futter, einen guten Mixer oder

Critical Care, evt. zusätzlich das Medikament Fibreplex

Schmerzmittel (vom Tierarzt), Antibiotika (vom Tierarzt), Schaumlöser zum besseren

Gasabtransport aus dem Verdauungstrakt z.B. Sab Simplex oder Dimethicon (Apotheke/Tierarzt)

Das Kaninchen benötigt vor der Operation nichts Besonderes, allerdings ist es falsch, das Tier

nüchtern zum Tierarzt zu bringen, wie man es bei Hunden und Katzen macht (Kaninchen haben

einen starken Schließmuskel an der Speiseröhre und einen schwach bemuskelten Magen und

können sich deswegen nicht übergeben). Allerdings sollte auf blähende oder schlecht verträgliche

Nahrung (Kohl, Klee, Weizen, ... ) vor der Operation verzichtet werden.

Wenn man das Kaninchen zum Tierarzt bringt, sollte es auf jeden Fall gewogen (Häsin sollte

normalgewichtig sein) und gründlich untersucht werden. Nach der Kastration sollte man das

Kaninchen etwa eine Woche auf Handtüchern halten, damit kein Dreck in die Wunde gerät und sie

sich entzünden kann. Je nach Art des Fadens müssen die Nähte entweder gezogen werden oder

lösen sich nach ein paar Tagen von selbst auf.

Die Kaninchen können wieder zusammengesetzt werden, sobald sich das Weibchen erholt hat und

die anderen Kaninchen das frisch operierte Tier nicht jagen.

Ein Weibchen zu kastrieren birgt Risiken. Leider sind Kaninchen sehr auffällig in Bezug auf

Gebärmutterveränderungen, weshalb man bei vielen Weibchen aus medizinischen Gründen nicht

um eine Kastration herumkommt. Aus diesem Grund überlegen sich viele Halter den Schritt bereits

bevor das Weibchen erkrankt. Das hat den Nachteil, dass man ein Weibchen womöglich

unnötigerweise einer schweren Operation aussetzt und ihre Sexualität unnötigerweise gedämpft

wird, hat aber den Vorteil, dass bei einem gesunden Tier das Risiko kleiner ist und man die

Operation in einen Zeitraum legen kann, in dem man Zeit hat, das Weibchen zu pflegen. Da das

Risiko für Veränderungen äußerst hoch ist, sind beide Vorgehensweisen verantwortbar.

Wenn ein Weibchen überdurchschnittlich oft scheinträchtig ist (mehr als 2-3x im Jahr), viel buddelt,

alles markiert und die Milchzitzen anschwellen, empfiehlt sich eine entsprechende Untersuchung

oder Beratung beim Tierarzt. Diese Symptome könnten Hinweise auf eine krankhafte Veränderung

der Gebärmutter sein.

Als Sterilisation wird das Abbinden des Eileiters bezeichnet, was allerdings bei Heimkaninchen wenig

Sinn macht. Das hat zur Folge, dass die Eier, die in den Eierstöcken heranreifen, nicht mehr über den

Eileiter in die Gebärmutter gelangen können. Dadurch ist der Weg des Spermas zum Ei

unterbunden. Die Gebärmutter ist nach wie vor vorhanden, so dass es dennoch zu bösartigen

Gebärmutterveränderungen kommen kann.

Was sollte ich vor der Kastration beachten?

Wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Kastration ist ein guter, erfahrener TA und ein

gesundes Kaninchen. Bis direkt vor der Narkose darf das Kaninchen alles fressen, was es möchte.

Vermieden werden sollten allerdings blähendes Futter wie Kohl. Am besten nur Gewohntes und gut

Verträgliches anbieten wie Gras, Löwenzahn, Fenchel, Möhren, Kräuter und natürlich Heu und

Wasser.

Auf gar keinen Fall darf das Kaninchen vor oder nach der OP nüchtern sein. Denn das

Verdauungssystem von Kaninchen ist auf dauernde Füllung angewiesen, auch würde ein Fasten das

Kaninchen vor der Operation unnötig entkräften und dadurch das Komplikationsrisiko erhöhen. Die

Gefahr des Erbrechens während der Operation besteht bei Kaninchen nicht, da Kaninchen gar nicht

erbrechen können.

Das Kaninchen sollte möglichst stressfrei zum TA gebracht werden. Es bietet sich an, ein Tuch über

die Transportbox zu hängen. Diese schützt sowohl vor Zugluft als auch vor neugierigen Blicken oder

anderen Tieren im Wartezimmer usw.

Beim Tierarzt ist darauf zu achten, dass das Tier vor der Narkose gründlich untersucht wird,

insbesondere Herz und Lunge sollten abgehört werden. Nur gesunde Rammler sollten kastriert

werden. Bei chronisch kranken Tieren (Schnupfer o. ä.) ist mit einem guten TA ein Kompromiss zu

finden.

Man sollte sich das Tier erst dann wieder mit nach Hause geben lassen, wenn es vollständig aus der

Narkose erwacht ist. Eventuelle Probleme beim Aufwachen müssen schnell behandelt werden und

dazu hat nur der TA die Möglichkeit. Von einer Kastration ohne Narkose ist absolut abzuraten. Die

Tiere geraten bei den Gerüchen und Geräuschen in Todesangst, wenn sie zappeln, kann es zu sehr

schweren Verletzungen kommen.

Zu sagen bleibt nur noch, dass Kastrationen eine absolute Routinesache sind und die

Wahrscheinlichkeit, dass alles gut geht, bei fast 100% liegt. Auch um ältere Kaninchen braucht man

sich bei einem guten TA keine Sorgen machen.

Was ist nach der Kastration zu beachten? (bei Rammler und bei Häsin)

Nach der Kastration des Kaninchens sollte der Besitzer darauf achten, dass das Tier wach ist, bevor

es mit nach Hause genommen wird. Denn nur der Tierarzt hat die Mittel und die Routine einen

Kreislaufzusammenbruch in der Aufwachphase rasch und richtig zu behandeln.

Nach der Operation wird vorerst auf Einstreu verzichtet, denn bei offenen Wunden ist Einstreu

aufgrund der Infektionsgefahr zu heikel. Statt Einstreu legt man beispielsweise alte Handtücher ins

Gehege und gibt entweder Küchenkrepp oder Handtücher in die Klos oder bedeckt die normale

Einstreu damit.

Wenn zu Hause das Partnertier des Kaninchens wartet und der Kastrat nicht die Sechswochenfrist

abwarten muss, kann man die Tiere ruhig zusammen setzen. Sollte es aber zu Jagereien kommen

oder das operierte Kaninchen zu gestresst sein, müssen die Tiere für einige Tage getrennt werden.

Nach der Kastration bietet es sich an, das Kaninchen zu verwöhnen. Man kann ihm sein

Lieblingsfutter anbieten, denn es ist sehr wichtig, dass das Tier gleich nach der Operation wieder

Nahrung aufnimmt. Andernfalls gerät die sensible Verdauung ins Stocken. Gerne genommen

werden Küchen- oder Wildkräuter wie beispielsweise Dill, Basilikum, Löwenzahn, Giersch. Dill hat

den positiven Effekt, dass es appetitanregend wirkt. Nach der OP braucht das Tier viel Flüssigkeit,

um sich vom Narkosemittel und dem Blutverlust zu erholen.

An Medikamenten wird direkt nach der Operation ein Schmerzmittel gegeben, welches die

Schmerzen für den Heilungsprozess gut lindert. Meist wird hier auf Metacam oder Novalgin zurück

gegriffen. Bei Weibchenkastrationen erhält das Tier bis zum Fäden ziehen /der Nachkontrolle oral

Antibiotika. Nach Weiberkastrationen wird auch oftmals ein Schmerzmittel mit nach Hause

gegeben, da der Eingriff größer ist.

Wenn nach der Operation nicht gefressen wird, muss zugefüttert werden. Für den Fall der Fälle

geben die meisten Tierärzte CC (Critical Care) mit. Dieses Pulver wird mit Wasser angerührt und per

Spritze oder Pipette direkt in das Mäulchen des Tieres gegeben und hat sich zur Zwangsfütterung

bewährt. Noch besser wäre ein Brei aus dem gewohnten Futter des Kaninchens. Mit dem Zufüttern

sollte nach ca. sechs bis acht Stunden des Nicht-Fressens nach Absprache mit dem Tierarzt

begonnen werden.

Lebt das Tier in Winteraußenhaltung, nimmt man es am besten hinein in einen temperierten Raum,

bei Rammlerkastrationen reicht es, wenn das Tier die ersten paar Stunden oder die erste Nacht im

Warmen verbringt, frisch kastrierte Weibchen lässt man am besten solange drin, bis sie wieder fit

sind. Gerade bei Weiberkastrationen, welche einen größeren Eingriff darstellen, ist es sinnvoll, in

einer Ecke des Krankengeheges eine Rotlichtlampe (Wärmelampe) oder Wärmeflasche anzubieten.

Das Licht darf das Tier nicht direkt bestrahlen, es muss immer eine Rückzugsmöglichkeit gegeben

sein.

Sollte das Kaninchen an der Wunde knabbern, muss das unterbunden werden, da die Wunde

aufgehen und so der Heilungsprozess verzögert werden kann. Manche Tierärzte verkleben die

Kastrationsnaht mit einem Pflaster oder geben dem Halter eine Halskrause mit. Es ist auch möglich,

aus etwas elastischen Stoff ein "Kleid" zu basteln, welches dem Tier angezogen wird und dadurch

ein Beknabbern der Wunde verhindert. Wurde die Wunde angeknabbert, sollte zur

Wundversorgung ein Tierarzt aufgesucht werden.

Nach ca. zehn Tagen erfolgt im Falle einer Weibchenkastration entweder das Fädenziehen oder die

Nachkontrolle des Tieres. Damit ist die Kastration komplett abgeschlossen. Bei Rammler Kastrationen

kann man auf eine Nachkontrolle verzichten.